Eine hydraulische Seilwinde hat keinen eigenen Antrieb. Sie nutzt die Hydraulik des Trägerfahrzeugs oder der Maschine: Abschlepp- und Bergefahrzeuge, Forst- und Landmaschinen, Baumaschinen, Bohrgeräte oder ein stationäres Hydraulikaggregat. Damit die Winde ihre Nennwerte erreicht, müssen Hydraulik und Winde zueinander passen. Die beiden wichtigsten Größen sind Betriebsdruck und Ölmenge.
Druck bestimmt die Kraft, Ölmenge die Geschwindigkeit
Der Hydraulikmotor der Winde setzt Druck in Drehmoment um. Je höher der Druckunterschied zwischen Zulauf und Rücklauf, desto höher das Drehmoment an der Trommel und damit die Zugkraft. Die Ölmenge, also die Fördermenge der Pumpe in Litern pro Minute, bestimmt dagegen die Drehzahl des Motors und damit die Seilgeschwindigkeit.
Daraus folgen zwei einfache Regeln:
- Zu wenig Druck: Die Winde zieht langsamer an und bleibt unterhalb ihrer Nennzugkraft stehen. Das Druckbegrenzungsventil der Anlage öffnet, bevor die Last sich bewegt.
- Zu wenig Öl: Die Winde erreicht ihre Zugkraft, zieht aber langsamer als angegeben.
Achten Sie auch auf den Rücklauf. Ein hoher Staudruck im Rücklauf verringert den wirksamen Druckunterschied am Motor und damit die Zugkraft. Der Rücklauf sollte deshalb möglichst drucklos zum Tank geführt werden.
| Modell | Zugkraft 1. Lage kg | Getriebe | Betriebsdruck bar | Ölmenge l/min | Seilgeschwindigkeit m/min |
|---|---|---|---|---|---|
| JH | 2.700 bis 3.600 | Schnecke | 130 bis 140 | 20 bis 40 | 2,1 bis 7,7 |
| EPH bis 6,7 t | 900 bis 6.700 | Planet | 100 bis 160 | 10 bis 60 | bis 29 |
| MH | 8.000 | Schnecke | 150 | 60 bis 100 | 2,8 bis 8,3 |
| WHC/WHL 15000 | 15.000 | Schnecke | 140 bis 150 | 75 bis 160 | 2,5 bis 9,7 |
| EPH 10 bis 15 t | 10.000 bis 15.000 | Planet | 190 | 40 bis 75 | 4 bis 18 |
| PH | 30.000 bis 40.000 | Schnecke | 200 | 100 bis 200 | 1,6 bis 7,3 |
Alle Werte laut Herstellerdatenblatt. Die Geschwindigkeiten sind theoretische Werte und hängen von Hydraulikanlage, Seillage und Umgebung ab. Die kompakte ZH mit 2.200 oder 3.000 kg arbeitet mit 130 bar.
Beispiel: WHC 15000 an unterschiedlichen Anlagen
Die WHC 15000 arbeitet mit 140 bis 150 bar. Bei 75 l/min zieht sie in der ersten Seillage 2,5 m/min, bei 125 l/min 4,2 m/min und bei 160 l/min 5,4 m/min. Die Zugkraft ist in allen drei Fällen gleich, nur die Zeit für den Zug ändert sich. Wer mit einer kleinen Pumpe auskommen muss, bekommt also dieselbe Kraft, braucht aber mehr Geduld.
Hydraulikleistung abschätzen
Die hydraulische Leistung, die die Pumpe bereitstellen muss, ergibt sich aus Druck und Ölmenge:
Leistung in kW = Druck in bar × Ölmenge in l/min ÷ 600
Für die WHC 15000 mit 150 bar und 160 l/min sind das 150 × 160 ÷ 600 = 40 kW. Mit 75 l/min genügen 150 × 75 ÷ 600 = rund 19 kW. Diese Leistung muss der Antrieb der Pumpe liefern können, bei einem Nebenabtrieb also der Fahrzeugmotor bei der Drehzahl, mit der die Winde betrieben wird. Hinzu kommen Verluste in Pumpe, Leitungen und Ventilen.
Nebenabtrieb und Hydraulikkreis
Bei Lkw und Abschleppfahrzeugen treibt meist ein Nebenabtrieb am Getriebe eine Hydraulikpumpe an. Land-, Forst- und Baumaschinen haben in der Regel bereits eine Arbeitshydraulik, an die die Winde über ein eigenes Steuerventil angeschlossen wird. Ein typischer Kreis für eine Seilwinde besteht aus folgenden Teilen:
- Pumpe mit ausreichender Fördermenge bei Betriebsdrehzahl
- Druckbegrenzungsventil, das den Druck auf den zulässigen Wert der Winde begrenzt
- Wegeventil für Aufwickeln, Abwickeln und Halt, von Hand, elektrisch oder über Fernbedienung betätigt
- Bremssenkventil direkt an der Winde, wo die Bauart es verlangt
- Hydraulikmotor der Winde, bei Motoren mit Leckölanschluss mit eigener, druckloser Leitung zum Tank
- Rücklauf, Filter und Tank mit ausreichendem Volumen, damit das Öl bei langen Zügen nicht zu warm wird
Schläuche und Verschraubungen müssen für Druck und Ölmenge ausgelegt sein. Zu kleine Querschnitte erzeugen Druckverluste, die an der Winde als Zugkraft fehlen. Die Anschlüsse am Hydraulikmotor lassen sich bei einigen Modellen an die Einbausituation anpassen: Bei der JH lässt sich der Motor um 360° drehen, bei der MH sitzt er drehbar unter der Trommel.
Den Einbau in ein Fahrzeug sollte eine Fachwerkstatt für Fahrzeughydraulik übernehmen. Sie prüft auch, ob Nebenabtrieb und Pumpe für den Dauerbetrieb der Winde geeignet sind.
Bremssenkventil: Last sicher halten
Ein Bremssenkventil sitzt zwischen Wegeventil und Hydraulikmotor. Es sperrt den Ölstrom, solange kein Steuerdruck anliegt, und hält so die Last. Beim Abwickeln unter Last öffnet es nur so weit, wie Öl von der Pumpe nachgeliefert wird. Damit verhindert es, dass die Last die Winde antreibt und das Seil unkontrolliert abläuft.
Wichtig ist das vor allem bei Winden mit Planetengetriebe. Sie haben einen hohen Wirkungsgrad und erreichen dadurch höhere Seilgeschwindigkeiten, laufen aber auch unter Last leicht zurück. Sie brauchen deshalb eine Bremse. Bei den EPH 10000 bis 15000 gehören Bremssenkventil und hydraulische Haltebremse zur Ausstattung, bei den EPH bis 6,7 t ist das Bremssenkventil erhältlich. Winden mit Schneckengetriebe haben eine hohe Untersetzung, bei der WHC 15000 zum Beispiel 35:1. Welche Ventile Ihre Winde braucht, steht im Datenblatt.
Freilauf: Seil schnell abziehen
Damit das Seil nicht mit geringer Geschwindigkeit über den Hydraulikmotor abgespult werden muss, haben die meisten Zugwinden einen Freilauf. Dabei wird die Trommel vom Getriebe getrennt, und das Seil lässt sich von Hand ausziehen. Geschaltet wird der Freilauf je nach Modell unterschiedlich:
- Von Hand über eine Handschaltkupplung, zum Beispiel bei der ZH
- Von Hand oder per Luftzylinder, zum Beispiel bei der JH und der MH
- Pneumatisch aus der Fahrerkabine, zum Beispiel bei den EPH
- Mit Sicherheitssperre, bei den schweren PH-Winden lässt sich die Trommel nur mit eingelegter Sperre ein- und auskuppeln
Der Freilauf wird nur geschaltet, wenn das Seil entlastet ist und die Trommel steht. Unter Last ausgekuppelt, läuft die Trommel ungebremst. Aus demselben Grund sind Winden mit Freilauf nicht zum Heben bestimmt, siehe Zugwinde oder Hubwinde. Für Hubaufgaben gibt es eigene hydraulische Hubseilwinden.
Checkliste für die Anfrage
Mit diesen Angaben lässt sich die passende Winde schnell bestimmen:
- Betriebsdruck und Fördermenge Ihrer Hydraulik, idealerweise bei der Drehzahl, mit der gewunden wird
- benötigte Zugkraft, siehe Zugkraft berechnen
- benötigte Seillänge und Seilgeschwindigkeit
- Einbauraum und Zugrichtung, gegebenenfalls mit Seilrollenfenster
- gewünschte Freilaufschaltung und Bedienung
- geforderte Norm, zum Beispiel EN 14492
Passt keine Serienwinde, konstruieren wir eine Sonderanfertigung für Ihre Anlage.