Zwei Seilzüge mit derselben Hubkraft können sich im Alltag völlig unterschiedlich verhalten. Der eine schafft einen ganzen Arbeitstag auf dem Gerüst, der andere schaltet nach wenigen Hüben ab. Der Grund ist die Einschaltdauer, kurz ED. Sie sagt aus, wie lange der Motor laufen darf, bevor er eine Pause zum Abkühlen braucht.
Was die Einschaltdauer angibt
Ein Elektromotor erwärmt sich, solange er unter Last läuft, und kühlt ab, wenn er steht. Die Einschaltdauer beschreibt das zulässige Verhältnis von Laufzeit zu Gesamtzeit innerhalb eines Arbeitsspiels. Bei Seilzügen und Winden ist eine Spieldauer von 10 Minuten üblich. Das entspricht dem Aussetzbetrieb S3 nach der Motorennorm EN 60034-1, bei dem ohne andere Angabe ebenfalls 10 Minuten als Spieldauer gelten.
Die Rechnung ist einfach:
ED = Laufzeit ÷ (Laufzeit + Pause) × 100 %
Ein Seilzug mit 20 % ED darf also innerhalb von 10 Minuten insgesamt 2 Minuten laufen und braucht danach 8 Minuten Pause. Ob die 2 Minuten am Stück oder in mehreren kurzen Hüben anfallen, spielt für die Summe keine Rolle. Zur Laufzeit zählt jede Motorbewegung: Heben mit Last, Senken und das Hochfahren des leeren Hakens.
| Einschaltdauer | Laufzeit min | Pause min | Typischer Einsatz | Beispiel |
|---|---|---|---|---|
| 20 % ED | 2 | 8 | gelegentliche Hübe, privat | Seilzug LE |
| 25 % ED | 2,5 | 7,5 | leicht gewerblich | Seilzug CWS |
| 50 % ED | 5 | 5 | täglich auf Baustelle und Gerüst | DM/DT-Serie, Condor |
| 100 % ED | 10 | 0 | Dauerbetrieb | SW-E |
Rechenbeispiele aus der Praxis
Um die passende Einschaltdauer zu finden, rechnen Sie die Laufzeit eines Arbeitsspiels aus: Hubweg nach oben plus Weg nach unten, geteilt durch die Seilgeschwindigkeit.
Werkstatt: Seilzug LE 200 mit 20 % ED
Der Seilzug LE 200 hebt mit 10 m/min. Sie heben ein Getriebe 2 m hoch, setzen es ab und fahren den Haken wieder 2 m nach unten. Das sind 4 m Seilweg, also 0,4 Minuten Laufzeit. Innerhalb von 10 Minuten stehen 2 Minuten zur Verfügung, das reicht für 5 solcher Spiele. Für die Werkstatt ist das mehr als genug.
Anders sieht es aus, wenn Sie denselben Seilzug an einer Hauswand einsetzen und Material 5 m hoch heben. Pro Spiel fallen 10 m Seilweg an, also 1 Minute Laufzeit. Nach 2 Spielen ist die zulässige Laufzeit innerhalb der 10 Minuten erreicht. Das sind etwa 12 Hübe pro Stunde, wenn Sie die Pausen einhalten.
Gerüstbau: Condor mit 50 % ED
Der Gerüst-Seilzug Condor hebt mit 21 m/min. Bei 15 m Hubhöhe fallen je Spiel 30 m Seilweg an, das sind rund 1,4 Minuten Laufzeit. Bei 50 % ED stehen 5 Minuten Laufzeit je 10 Minuten zur Verfügung, das reicht für 3 volle Spiele. Über die Stunde sind das etwa 18 bis 21 Hübe, und die Zeit zum Befüllen und Abnehmen des Kübels ist dabei bereits die Pause.
Mit einem 20-%-Gerät wären bei gleicher Hubhöhe und Geschwindigkeit nur etwa 8 Hübe pro Stunde möglich. Genau deshalb sind Seilzüge für den Gerüstbau mit 50 % ED ausgelegt.
Was bei Überschreiten der Einschaltdauer passiert
Wird die Einschaltdauer regelmäßig überschritten, steigt die Temperatur in der Motorwicklung über den zulässigen Wert. Die Folgen hängen von der Ausstattung ab:
- Mit Thermoschutz, zum Beispiel bei der Type LE, schaltet der Motor ab, bis er abgekühlt ist. Die Arbeit steht dann still, oft länger als die vorgesehene Pause.
- Ohne Thermoschutz altert die Isolierung der Wicklung schneller. Wiederholte Überhitzung kann zum Ausfall des Motors führen.
- Bremse und Getriebe werden ebenfalls stärker belastet. Häufiges Anfahren und Abbremsen erzeugt zusätzliche Wärme, auch wenn die reine Laufzeit im Rahmen bleibt.
Hinzu kommen äußere Bedingungen. Hohe Umgebungstemperaturen, direkte Sonne auf dem Gerüst oder ein verschmutztes Motorgehäuse verschlechtern die Kühlung. Planen Sie in solchen Fällen Reserve ein.
Privat oder gewerblich: die Auswahl
Die Einschaltdauer ist das wichtigste Unterscheidungsmerkmal zwischen Hobby- und Profigeräten mit gleicher Hubkraft.
- Privat und gelegentlich: 20 % ED genügen, wenn Sie einzelne Lasten in Garage, Werkstatt oder beim Hausbau heben. Beispiel: Seilzug LE mit 100 bis 500 kg und 230 Volt.
- Leicht gewerblich: 25 % ED für Handwerker, die den Seilzug regelmäßig, aber nicht dauernd nutzen. Beispiel: Seilzug CWS mit 28 m Hubhöhe.
- Gewerblich täglich: 50 % ED für Gerüstbau, Dachdecker und Maurer. Beispiel: DM/DT-Serie mit 230 oder 400 Volt und Schutzart IP 54.
- Dauerbetrieb und Industrie: 100 % ED für Anwendungen mit langen Laufzeiten. Beispiel: SW-E aus eigener Fertigung.
Bei Industriehebezeugen wird neben der Einschaltdauer häufig eine Triebwerksgruppe nach FEM 9.511 oder ISO 4301 angegeben. Sie berücksichtigt zusätzlich die Laufzeit pro Tag und das Lastkollektiv. Für Seilzüge auf Baustellen reicht in der Regel die Angabe der ED.
Einschaltdauer bei 12- und 24-Volt-Winden
Auch Gleichstromwinden haben eine begrenzte Einschaltdauer. Die Hubseilwinden DH sind mit 25 % ED angegeben. Bei den Hubseilwinden DHC hängt die ED von der Last ab und sinkt bei voller Last auf 15 %. Bei Zugwinden für Fahrzeuge gilt das Gleiche sinngemäß: lange Züge unter Volllast in Abschnitte teilen und dem Motor Pausen geben. Mehr dazu im Ratgeber Seilwinde 12 V für das Fahrzeug. Weitere Grundlagen finden Sie auf der Übersicht Seilzüge.